Warum in die Ferne schweifen: Sigur Rós in der Frankfurter Jahrhunderthalle

U.

Während ich einen Besuch beim gestrigen Sigur Rós-Konzert in der Jahrhunderthalle Höchst angesichts der Tatsache, dass ich die Band im Dezember gleich zweimal sehen werde, ablehnte, ließ sich mein Freund von solchen Details nicht zurückhalten: Also machte er sich gestern ohne mich auf den Weg nach Frankfurt und beantwortete heute meine Fragen:

Wir werden zusammen Ende des Jahres nach Reykjavik reisen, wo Sigur Rós in der Konzerthalle Harpa eine Reihe Konzerte geben werden. Wir haben sogar Tickets für zwei davon. Warum wolltest Du die Band zusätzlich noch zwei Monate früher in der Frankfurter Jahrhunderthalle sehen?

Ich verstehe die Frage gar nicht. Natürlich würde ich Sigur Rós am liebsten an allen vier Abenden in Reykjavik sehen und wenn ich für die Band nach Island reise, dann ist es doch selbstverständlich, dass, wenn sie im Grunde vor unserer Haustüre spielen, ich auch anwesend bin. Außerdem gab es bei ebay zwei Karten zum Preis von einer.


War es ähnlich voll wie letzte Woche bei Nick Cave?

Ja, es war erneut ausverkauft, aber es gab erfreulich weniger Drängler als letzte Woche bei Nick Cave. Eigentlich gar keine. Bis auf zwei kleine Kinder, die mit ihren Eltern da waren und kurz vor Beginn in die erste Reihe vorgelassen wurden. Voll nett, die Sigur Rós-Fans. Es hat sich aber herausgestellt, dass man mit kleineren Kindern nicht zu Konzerten gehen sollte, vor allem, wenn die Eltern keine richtigen Ohrenschützer für ihre kleinen dabei haben, denn nach dem ersten Lied hatten sie schon genug und im zweiten mussten die Eltern mit ihnen nach hinten und sicherlich frühzeitig wieder nach Hause gehen. 


Und der zeitliche Ablauf?

Der zeitliche Rahmen war ähnlich wie bei Nick Cave: 18:30 Einlass, keine Vorband, geplanter Beginn: 20 Uhr, tatsächlicher Beginn gegen 20:30 Uhr, Konzertdauer ca. 2 Stunden.


Ob seitens der Band viel gesprochen wurde, muss ich nicht fragen, oder?

Du meinst, mehr als "Takk"? Tatsächlich wurden auf der Bühne zwischen Jónsi und Schlagzeuger Orri einige Worte gewechselt, da mit dem Drum Kit etwas nicht stimmt und mehrmals daran herum geschraubt werden musste. Ach, und auch zum Publikum hat Jónsi vor dem letzten Lied "Popplagið" (und nach dem traditionellen "Takk") noch zwei Sätze gesagt - auf isländisch.


Vorletztes Jahr am selben Ort gab es recht aufwändige visuelle Unterstützung. War das dieses Mal auch so, und kamen dieselben Bilder / Elemente zum Einsatz?

Tatsächlich hast du Sigur Rós schon vier Mal als Trio live gesehen: 2013 in Rom und Frankfurt mit Unterstützung von Streichern und Bläsern und 2016 in Stockholm und beim A Summer's Tale Festival zu dritt. Der Bühnenaufbau mit diesen zahlreichen Gerüsten, die Lichtröhren trugen, der LED-Wand hinter der Band und einer weiteren Projektionsfläche im Hintergrund war identisch mit den 2016 Konzerten. Die meisten der tollen visuellen Effekte kamen mir ebenfalls sehr bekannt vor.


Haben sie wieder "Óveður" und den zweiten Song nahezu unsichtbar hinter der LED-Wand gespielt?

Jein. Denn sie haben ihr Set gar nicht wie zuletzt immer mit "Óveður" begonnen. Auch war ungewöhnlich - und wir hatten neulich bei Suede schon festgestellt, dass es gar nicht so sinnvoll ist, seinen Auftritt in zwei Teile zu gliedern - dass sie das Konzert in zwei Sets unterteilt hatten, die jeweils ungefähr eine Stunde dauerten. Dazwischen gab es eine viel zu lange Umbaupause, bestimmt 20 Minuten, in denen aber nicht viel mehr gemacht wurde, als einige "Netze" zu entfernen. Als Sigur Rós nach dem ersten Set wiederkamen, begannen sie mit "Óveður" hinter der LED-Wand, die sich dann im Verlauf des Liedes anhob. Neu waren in diesem Song Schlagezugeffekte, die nach Krieg der Sterne und Lasergewehren klangen, was durch die Leuchtröhren toll visuell unterstützt wurde.


Was hat sich seitdem auf der Setliste getan?

Einiges. Neben "Óveður", welches sie letztes Jahr erstmals live präsentierten, haben sie mit "Á", "Niður" und "Varða" drei weitere neue Lieder in die Setliste aufgenommen. Alle wurden im ersten Teil des Konzertes dargeboten, das deutlich ruhiger war und häufiger Richtung Ambient als Post-Rock tendierte. Orri Páll Dýrason und Georg Hólm waren daher auch manchmal an den Keyboards und nicht an Schlagzeug und Bass zu sehen.
Während "Varða", dem letzten Song des ersten Abschnitts, tauschten die beiden auch ihre Instrumente und verließ die Band nach und nach die Bühne, bis letztendlich noch Georg Hólm am Keyboard saß, einige Zeit weiter spielte, das Lied ausklingen ließ und dann abging, was für einige überraschte bis entsetzte Reaktionen im Zuschauerraum sorgte, da die Sache mit den zwei Sets wohl nicht allgemein bekannt war.     

Außer dem neuen Album, das 2018 veröffentlicht werden soll, wurde auch "( )", das 2002 erschienen war, mit vier ausgewählten Songs besonders berücksichtigt.


Erst im zweiten Set, das mehr mit bekannten Fan-Lieblingen wie "Sæglópur" oder "Ný Batterí" bestückt war, erlebten wir die lauteren, rockigeren Sigur Rós. Zum Ende, als "Festival" und das düstere "Kveikur" gespielt wurden, brach es wieder deutlicher aus Jónsi heraus, der schrie, mit dem Geigenbogen die Gitarre malträtierte und diesen durch die Gegend warf. Beim traditionellen Schluss-Song "Popplagið" stieß er dann wieder den Mikrofonständer von der Bühne, kickte einen Verstärker um und Orri, der sich längst seines schweißnassen T-Shirts entledigt hatte, riss Teile seines Schlagzeuges um.

Nach Zugaben brauchst du aber wirklich nicht zu fragen, denn nach "Popplagið" kommt nichts mehr. Was sollte danach auch noch folgen? Sigur Rós wurden noch zweimal unter tosendem Applaus auf die Bühne gebeten und gewürdigt.   


Welche Lieder würdest du dir denn für die Konzerte in Island wünschen?

Es wäre auf jeden Fall wünschenswert, wenn die beiden Konzerte nicht absolut identisch wären. Lieder, die sie in den letzten Jahren gespielt haben, die ich aber diesmal sehr vermisst habe, wären "Olsen Olsen", "Svefn-g-englar" oder auch "Hafsól".


Hast du außer den schönen Fotos auch an die Setliste gedacht?

Klar:

Á
Ekki Múkk
Glósóli
E-Bow
Dauðalagið
Fljótavík
Niður
Varða

Óveður
Sæglópur
Ný Batterí
Vaka
Festival
Kveikur
Popplagið


Sendeschluss: Noel Gallagher's High Flying Birds - Holy Mountain

U.

Ich lebe mit dem vermutlich größten Gallagher-Fan außerhalb der Familie Gallagher zusammen. Als er mir gestern aufgeregt diese neue Single vorspielte, erkannte ich den Künstler zunächst gar nicht: Irgendwie klang der Anfang nach "Let's stick together" und die Mitte nach "Ça plane pour moi", das Gesamtwerk sehr retro und nicht zwingend nach Noel. Was ich selbst nun davon halte, weiß ich noch gar nicht. Gut, da eingängig? Allzu eingängig und somit zu erfolgsversessen? Schwierig. Aber ich bin zuversichtlich, dass mir das Lied in nächster Zeit noch einige Male vorgespielt wird, ich kann mir mit meinem Urteil also Zeit lassen.

Der große römische Eistest kehrt zurück: Gelateria del Teatro und Gelateria La Romana

U.


Gelateria del Teatro

Die auf Trip Advisor hoch gelobte Eisdiele liegt in Laufnähe der Piazza Navona, in einer etwas ruhigeren Seitenstraße. Der Verkaufsraum ist relativ groß, und neben Eis und diversen gefrorenen Süßspeisen wird in einem Lokal nebenan auch Pizza angeboten. Es standen um die 40 Sorten Eis zur Auswahl, die preislich etwas höher lagen: Die Portionen kosteten 3, 4 und 6 Euro. Durch ein Schaufenster seitlich des Eingangs konnte man bei der Eiszubereitung zusehen. Alles wirkte sehr edel.


Ich war abenteuerlustig gestimmt und wählte die Kombination Weiße Schokolade / Basilikum sowie Ricotta / Feige / Mandel. Mein Freund orientierte sich konservativer und nahm Pistazie und Tiramisu. So richtig glücklich wurden wir mit unseren Bechern beide nicht: Mein Basilikumeis schmeckte durchaus authentisch, aber es zeigte sich, dass ich auf die Kombination des Krauts mit weißer Schokolade verzichten kann. Meine andere Eissorte mundete mir allerdings gut. Mein Freund dagegen fand sein Pistazieneis zu körnig und das Tiramisu-Eis zu geschmacksarm. Angesichts der Preislage des Eises und der durch das schöne Ambiente geweckten Erwartungen mussten wir diese Gelateria ziemlich weit hinten in unsere persönliche Rangliste einsortieren.


Adresse:Via dei Coronari, 65-66

Gelateria La Romana

Erst beim Schreiben dieses Beitrags bemerkte ich, dass diese Eisdiele nicht nur mehrere Filialen in Rom hat, sondern auch eine richtig große Kette betreibt - mit Filialen in ganz Italien, Madrid, Wien und demnächst Düsseldorf! Das Stammhaus befindet sich, was man beim Namen nicht unbedingt vermuten würde, in Rimini.


Die von uns besuchte Filiale am Tiberufer ist recht groß und verfügt drinnen über lange Sitzbänke, auf denen man sein gekauftes Eis verspeisen kann, es gibt auch einen Nebenraum mit Cafétischen. Direkt am Eingang bezahlt man sein Eis, dann wartet man an der sehr langen Theke darauf, es auszusuchen. Bei den Waffelhörnchen wird angeboten, diese mit flüssiger Schokolade zu füllen, bevor die Eiskugeln hinein kommen. Die ganze Filiale wirkte auf schicke Art nostalgisch. Die Eissorten konnte man auch über der Theke lesen, allerdings waren die Sortennamen eher ungewöhnlich und für Ausländer manchmal schwer zu verstehen.

Überraschend waren die Preise: Das mittlere Eis mit drei Sorten kostete nur 2,70 Euro und fiel nicht kleiner aus als die 4-Euro-Portion der Gelateria del Teatro. Mein Freund wählte Pesto di Pistachio, Banane und Pesto di Nocciola, ich entschied mich für Stracciatella, Croccante di Amarena und Ciocolate latte, obendrauf gab es noch Sahne.


Mein Freund fand alle seine Sorten sehr cremig und geschmacksintensiv. Die hellgrüne Farbe des Pistazieneises fand er vertrauenserweckend. Auch ich fand meine Eissorten gut, bereute aber im Nachhinein, etwas unspannende Sorten gewählt zu haben. Wie aßen unsere Eisbecher im Laden und genossen es, nicht direkt zurück in die Hitze draußen zu müssen. Als wir dann doch aufbrachen, nahmen wir uns noch eine gemeinsame Waffel für den Weg mit - mit den Sorten Bacio und (ohne zu wissen, was genau wir bestellten) "1947", die nach dem vollen Name der Eisdiele (La Romana del 1947) benannte Haussorte.


Letztere Geschmacksrichtung entpuppte sich als leicht zitronig - wie Limoncello vielleicht. Das Bacio-Eis überzeugte uns deutlich mehr.

Eine schöne Eisdiele mit leckeren Eissorten und einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis. Interessanterweise handelte es sich um die Lieblingseisdiele des Tripadvisor-Bewerters "Axel aus Neuss", der zudem genau wie wir die Gelateria del Teatro als überbewertet einstufte. Hoffentlich freut er sich über die angekündigte Filiale in Düsseldorf...


Adresse: via Cola Di Rienzo, 2 (und anderswo)

Neulich bei der zweiten Chance: Nick Cave in der Frankfurter Jahrhunderthalle

U.

Ich würde behaupten, dass ich Nick Cave schon sehr lange sehr gerne mag. Allerdings gibt es seit meinem "Einstiegsalbum" "The Good Son" dann doch so manche Veröffentlichung, der ich nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt habe - es sind auch insgesamt zehn Stück, eines davon ein Doppelalbum. Vielleicht erklärt dieser Umstand, dass ich trotz großer Vorfreude bei meinem ersten Cave-Konzertbesuch im November 2006 eher enttäuscht wurde. Ich erinnere mich an eine große Halle mit festgelegten Sitzplätzen, ich war ziemlich weit weg von der Bühne. Außerdem hatte ich damit gerechnet, die meisten der gespielten Songs zu kennen, was aber nicht der Fall war. Die online vorhandene Setliste widerspricht dieser Erinnerung etwas, denn viel Bekanntes war definitiv dabei - allerdings sah es für mich ab Lied 15 vermutlich düster aus. Gegen Ende - das verrät setlist.fm nicht - bekamen wir als besonderes Schmankerl noch ein Lied von Caves damals neuer Band Grinderman vorgespielt - auch nicht mein Fall.


Nichtsdestotrotz: Ich, die sich sonst zu Konzerten eher überreden lässt, war sofort Feuer und Flamme als Anfang dieses Jahres eine weitere Tournee - die erste seit dem tragischen Unfalltod von Caves Sohn - angekündigt wurde. Eine zweite Chance wollte ich dem Künstler definitiv geben, also wurden Tickets gekauft. Erst später beschlossen wir, am Freitagabend davor auch Slowdive in Amsterdam zu besuchen - was bedeutete, dass wir uns selbst um ein gemütliches Wochenende in der niederländischen Hauptstadt brachten, denn wir mussten ja Samstagabend in Frankfurt sein. Die Zugrückfahrt, die eigentlich sehr großzügig geplant gewesen war, um auf jeden Fall genug Zeit für eine Pause daheim und dann die Weiterfahrt nach Frankfurt zu lassen, schrumpfte dann wegen gewaltiger Verspätung zu einem Nichts zusammen, der Tag wurde hektisch. Schlechte Erinnerung an ein früheres Konzert, Verzicht auf ein Wochenende in Amsterdam, stressige Anreise: Letztlich lag die Latte für Nick Cave an diesem Abend ganz schön hoch. Die Versuchung, das Konzert als Fehlentscheidung zu verbuchen, war groß.


Hinzu kommt noch die Jahrhunderthalle: Diese ist zwar leicht zu erreichen und sieht von außen toll aus. Wenn man aber nicht direkt vor der Bühne steht, hat man von den Stehplätzen aus häufig eine schlechte Sicht - damals bei Lana del Rey erspähte ich beispielsweise nur gelegentlich kurz ihren Blumenkranz. Wir standen dann auch in der etwa siebten Reihe vor der Bühne recht gut, mussten uns aber noch lange gedulden (Einlass 18:30, angeblicher Beginn 20:00, tatsächlicher Beginn dann eher 20:30), während zum Teil recht unverschämte andere Konzertbesucher drängelten und schoben. Wie erwartet lag der Altersdurchschnitt hoch, aber es gab auch jüngere Gäste - und zu meiner Überraschung nur sehr vereinzelt Gothics.

Schließlich war es endlich so weit, die sechsköpfige Band mit ihrem "Chef" Warren Ellis betrat die Bühne, während man Cave schon vom Band hörte - mit "Three Seasone in Wyoming". Dann betrat er endlich zu großem Jubel die Bühne. Dass auch ältere Menschen im Publikum waren, erkannte man spätestens am genervten Ausruf "Scheiß Handys runter, Mann!" - die Emotion kann ich ja nachvollziehen, aber da war wohl jemand in den letzten sieben Jahren bei keinem Konzert gewesen.


Caves Setliste bei der aktuellen Tour - ironischerweise war auch er am Freitagabend in Amsterdam gewesen und hätte uns am besten gleich mitgenommen - ist stets gleich, und wir hatten beim Vorab-Anhören den Eindruck gewonnen, dass die ersten paar Lieder eher die schwächeren des Sets sein würden. Nick Cave dagegen mag die Songs offensichtlich, was die Livedarbietung unendlich spannender machte als die Albumversionen.

Auf dem Absperrgitter zwischen Publikum und Fotograben war an diesem Abend, sicherlich extra für Cave, ein etwa 30 Zentimeter breiter Laufsteg angebracht, was dazu führte, dass der Künstler hier einen Großteil des Konzerts verbrachte, Zuschauer direkt ansang oder sich auch immer wieder singend nach vorne und auf erhobene Hände fallen ließ. Bei "Higgs Boson Blues" ließ er sich zur Textzeile "Ah, can you feel my heartbeat? Can you feel my heartbeat?" tatsächlich eine Hand aufs Herz legen. Ein besonders großer Mann vor uns wirkte offensichtlich besonders stabil und wurde von Cave immer wieder als Stütze genutzt - ihm widmete er die Worte "my fucking hero".


Nach "From Her to Eternity", das sich zum Ende hin in eine rockige Jam-Session verwandelte, bis Nick schließlich mit "Warren, shut it down" das Ende einleitete, und "Tupelo" bekam auch das eigentlich eher ruhige "Jubilee Street" ein erstaunlich rockiges Finale. Zu dessen Ende drängelte sich wieder einmal jemand an uns vorbei ganz nach vorne und ich erkannte zunächst nicht, dass er eine Zuschauerin, die zusammengebrochen war, aus der Menge ziehen lassen wollte. Ebenso ging es der Security, die erst nach vielfachem Schreien und Winken verstand, dass hier Handlungsbedarf bestand. Auch Nick Cave bekam davon nichts mit, setzte sich nun an den Flügel und spielte hier "The Ship Song" und "Into My Arms". Im Vorfeld hatte ich erwartet, dass dies meine Lieblingsstelle des Konzerts sein würde, tatsächlich gefielen mir die Lieder mit dem wilden Künstler auf der Absperrung aber noch besser. Dennoch waren natürlich auch die Balladen toll, zu "Into My Arms" wurde auch viel mitgesungen.

Zum ebenfalls ruhigen "Girl in Amber" vom aktuellen Album "Skeleton Tree", auf dem Cave den Tod seines Sohnes Arthur verarbeitet, wurde im Hintergrund der Bühne, der immer wieder als Leinwand für verschiedene Projektionen diente, ein Bild der Ruine des West Piers in Brighton eingeblendet. Nach "I Need You" wurde es mit "Red Right Hand" wieder rockiger, bevor mein Highlight des Abends "The Mercy Seat" folgte. Hier sang Cave mehr als in der aufgenommenen Version, die bekanntlich viel gesprochenen Text enthält, und es war einfach unglaublich gut.


Das nun folgende "Distant Sky" wird auf "Skeleton Tree" zum Großteil von der Sopranistin Else Torp gesungen. Statt den Song allein darzubieten oder eine andere Sängerin einzusetzen, ließ Cave Torp riesig und das Lied singend hinter der Bühne einblenden - so funktionierte das Duett mit abwesender Partnerin auch deutlich besser, als wenn ihre Stimme nur aus dem Nichts gekommen wäre.

Nach "Distant Sky" und "Skeleton Tree" war erst einmal Schluss, doch Band und Sänger kehrten nach kurzer Pause und in Caves Fall mit frischem Hemd zurück. Nun hörten wir "The Weeping Song", das Cave in Ermangelung seines Duettpartners Blixa Bargeld allein sang. Den charakteristischen Rhythmus des Songs klatschte das Publikum (so gut es eben konnte), während Cave kurz darin untertauchte und dann ziemlich weit hinten wieder zu sehen war.


Von diesem Ausflug nahm er etliche Zuschauer mit zurück auf die Bühne, die hier zum nächsten Lied "Stagger Lee", das sehr in die Länge gezogen und nach seinem scheinbaren Ende nochmals aufgenommen wurde, tanzten und wippten. Zur ruhigen Schlussnummer "Push the Sky Away" setzten sich die Zuschauer dann auf die Bühne, während Cave sich zwischen den beiden Zuschauermassen wieder einmal auf der Absperrung einfand und hier eine junge Frau, die er aus dem Publikum herauf gezogen hatte (und die darüber nicht zu hundert Prozent begeistert zu sein schien) ansang und schließlich mit Rosen, die er selbst von einem Fan bekommen hatte, beschenkte.

Man kann wohl sagen, dass mein zweites Nick Cave Konzert es trotz schwieriger Vorzeichen geschafft hat, den mäßigen Live-Eindruck von 2006 mehr als wettzumachen und mich auch die beschwerliche Anreise vergessen ließ. Das war wirklich eine brillante Konzerterfahrung.


Setliste:

Intro: Three Seasons in Wyoming

Anthrocene
Jesus Alone
Magneto
Higgs Boson Blues
From Her to Eternity
Tupelo
Jubilee Street
The Ship Song
Into My Arms
Girl in Amber
I Need You
Red Right Hand
The Mercy Seat
Distant Sky
Skeleton Tree

The Weeping Song
Stagger Lee
Push the Sky Away

Neulich mit Neil in Holland: Slowdive im Amsterdamer Paradiso

U.

Vor einigen Jahren sah ich im berühmten Club Paradiso in Amsterdam die Band Warpaint. Ich fand das Konzert langweilig, und das einzige, das mir vom Paradiso im Gedächtnis blieb, war zum einen, dass man dort nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch auf einer Galerie stehen beziehungsweise sitzen kann, und zum anderen, dass die Betreiber zusätzlich zur Konzertkarte eine „Mitgliedschaft“ für einen Monat verlangen, die man, so man denn keine hat, extra bezahlen muss. Um so überraschter war ich darüber, dass der Club kürzlich in einer Liste des NME als eines der zehn Live Venues erwähnt wurde, die man besucht haben muss.


Was diese Liste an sich angeht, habe ich sonst nur Brixton Academy besucht, Ende des Jahres folgt dann (der/die/das?) Harpa in Reykjavik. Obwohl ich seit 30 Jahren zu Konzerten gehe, fehlen mir also noch sieben Hallen der Bestenliste. Daran muss ich zukünftig offensichtlich arbeiten. Allerdings ist mir die Liste auch ein wenig suspekt. Nicht dabei sind beispielsweise die Royal Albert Hall oder auch das Roundhouse - für mich beide toller als Brixton Academy.

Was aber das Paradiso angeht, hatte ich angesichts meiner Warpaint-Aversion völlig vergessen, dass die 1880 im neuromanischen Stil erbaute ehemalige Kirche durchaus eine schöne Halle ist. Auf dem ersten Balkon kann man sitzen, auf dem zweiten stehen, im Raum gibt es hübsche Säulen, die aber schmal genug sind, nicht die Sicht zu verdecken, und über der Bühne erstrahlen drei Kirchenfenster.


Es ist uns schon gelegentlich passiert, dass wir vor dem Konzertbesuch in einer fremden Stadt unverhofft der Band begegneten, etwa Teilen von Lush im indischen Restaurant neben ihrem Auftrittsort in London sowie der kompletten Band Get Well Soon beim Pizza essen im italienischen Rovereto. Neil Halsted von Slowdive übertrieb es in Amsterdam ein wenig: Erst sahen wir ihn quasi als erste Person, nachdem wir unsere Unterkunft verlassen hatten, nachmittags an der Prinsengracht, wo er ein Kronleuchtergeschäft betrat. Später besuchten wir direkt vor dem Konzert eine Filiale der englischen Restaurantkette Wagamama, und wer setzte sich an den Nachbartisch? Fast fühlte man sich ein wenig gestalkt.


Neil hatten wir zunächst im Restaurant zurück gelassen, es gab ja auch noch eine Vorband, Blanck Mass. Neil hatte den Solokünstler, der wabernde Computerklänge erzeugte und uns damit teils in unangenehme Schwingungen versetzte, häufiger aber einfach nur langweilte, sicherlich bereits bei anderen Tourneeterminen gesehen und konnte sich deshalb ohne Eile im Restaurant noch einen Nachtisch gönnen. Hätten wir auch besser so gemacht.

Immerhin erforderte der Mann mit Laptop mangels Equipment keine große Umbaupause, so dass wir schon bald den Hauptact sehen konnten. Slowdives „Aufstellung“ ist mittlerweile anders herum als vor zwei Jahren in London. Neil kam somit auf der rechten Bühnenseite zu stehen und stand  - natürlich - direkt vor uns.


Slowdive spielen bei der aktuellen Tour meist dieselbe Setliste, insofern wussten wir bereits, dass uns eine Mischung aus alten und neuen Songs erwartete. Anders als beispielsweise Lush haben Slowdive ihre Wiedervereinigung nicht als reines Revival begangen, sondern dieses Jahr ein neues Album veröffentlicht, aus dem fünf Songs gespielt wurden. Bezüglich der Publikumsbegeisterung wurde erstaunlicherweise kein Unterschied zwischen alten und neuen Songs gemacht, und auch mir fällt es schwer, Lieblingslieder zu benennen. Vielleicht das nahezu akustisch dargebotene "Dagger" oder "Catch the breeze", das unsere Konzertbegleiter am tollsten fanden? Oder das sehr gitarrige "Star roving"? Vielleicht auch das Syd Barret Cover "Golden hair" am Ende des Hauptteils, das Rachel quasi allein begann, aber dafür nach ihrem Gesangsteil die Bühne verließ, so dass die verbleibenden Herren allein noch minutenlang ordentlich abrocken konnten.


Die Band spielte mit sichtlicher Freude, insbesondere Rachel hatte fast immer ein Lächeln auf ihren Lippen. Gesprochen wurde dagegen relativ wenig. Nach dem zweiten Lied „Catch the Breeze“ erfolgte die offizielle Publikumsbegrüßung durch Rachel, die sagte, sie sei froh, wieder einmal hier zu spielen, und im Unterschied zu vor 25 Jahren sei sie heute nüchtern. Außer ein paar Komplimenten (wir waren ein gutes Publikum) gab es wenige zusätzliche Äußerungen, Neil fasste sie gegen Ende mit „It’s always relaxed here in Amsterdam, I wonder why that is” zusammen.


Im Zugabenteil, der aus drei Songs, darunter dem wunderschönen „Dagger“, bestand, wollte eine Konzertbesucherin unbedingt „Falling Ashes“ hören und forderte den Song erst per aus der ersten Reihe hoch gehaltenem Handydisplay und dann lautstark und wiederholt bei Neil ein, blieb aber erfolglos. Vielleicht hätte sie uns um Hilfe bitten sollen, mit unserem offensichtlichen guten Draht zu Neil wäre da vielleicht mehr gegangen.

Ein sehr schönes Konzert einer gut gelaunten Band, die sich anschließend auch noch bereitwillig vor der Halle mit Fans unterhielt. Wer weiß, vielleicht folgen ja noch mehrere Alben der wiedervereinigten Slowdive? Auch eine Tour, die mehr deutsche Städte als Berlin und Hamburg berücksichtigt, würde uns freuen.


Setliste:

Slomo
Catch the breeze
Crazy for you
Star roving
Slowdive
Souvlaki Space Station
Avalyn
Don't know why
Blue skied an' clear
When the sun hits
Alison
Sugar for the pill
Golden hair (Syd Barrett Cover)

No longer making time
Dagger
40 days



Gekauft: September 2017

U.

Wenn das so weiter geht, muss ich diesen Bereich noch in "Sneaker des Monats" umbenennen. Eigentlich bin ich durchaus zufrieden damit, dass ich dieses Jahr tendenziell weniger kaufe, denn letztlich braucht man den meisten Kram ja so oder so nicht. Nur für den Monatsrückblick stellt diese Enthaltsamkeit ein kleines Problem dar. Ich gehe aber davon aus, dass ich im letzten Quartal des Jahres dann doch wieder mehr erwerben werde, und folglich gibt es an dieser Stelle im nächsten Monat vermutlich etwas Interessanteres zu lesen.

Für den September gibt es aber wieder einmal einen Schuh, denn ich bin nun ganz originell, zwei Jahre als alle anderen, Besitzerin eines Paars Adidas-Sneaker von Typ Stan Smith. Immerhin habe ich mich aber für die weniger verbreitete schwarze Version entschieden und nicht für das bewährte Modell in weiß. Auf der Zunge und an den Fersen blitzt ein wenig Gold, und das Material ist ein wenig rauh und dadurch matt. Ich bin zufrieden.


Gesehen: September 2017

U.

Alles kann ja nicht richtig gelaufen sein, wenn man aufrichtig froh ist, dass man eine Serie hinter sich hat... Als Kind der späten 80er Jahre habe ich den Hype um die erste Staffel Twin Peaks damals noch gut in Erinnerung, und auch wenn ich große Teile der damaligen Staffeln nie gesehen hatte, versetzte mich die Aussicht auf eine Fortsetzung in der Gegenwart, ebenfalls von David Lynch und mit den damaligen Schauspielern, durchaus in Vorfreude.

Als "Vorbereitung" schaute ich mir sogar die beiden alten Serienstaffeln komplett an und erkannte dabei, dass meine Erinnerungen an eine atmosphärische Gruseligkeit, die übers normale im Film Gebotene hinaus geht, durchaus richtig waren, ebenso die an ausgesprochen alberne und ausgelassene Momente, die dazu im Gegensatz stehen. Weniger gut erinnerte ich mich daran, dass einen Twin Peaks zeitweise auf eine arge Geduldsprobe stellt, wenn die Handlung weniger mysteriös als einfach nervig und auch in die Länge gezogen erscheint. Dass die zweite Staffel mit Zuschauerschwund  zu kämpfen hatte, ist so durchaus nachvollziehbar.

Und leider setzt die neue Staffel 30 Jahre später genau hier an: Alles ist noch einen Tick bedrohlicher, noch schwerer zu verstehen und auch noch alberner. Dass Erwartungen an erzählerische Konventionen enttäuscht werden, erscheint bei David Lynch als natürlich, und insofern ist es vermutlich unvernünftig, wenn ich mich darüber beklage, dass zwar viele der alten Schauspieler mit dabei sind, aber minimale Rollen ausfüllen. Und erst in den letzten Folgen spielt der Ort Twin Peaks überhaupt eine größere Rolle. Auch könnte man naiverweise damit rechnen, dass die Hauptfigur Agent Dale Cooper von Anfang an eine tragende Rolle hätte... schon wieder falsch. Oder dass einem das Ende das Gefühl vermitteln würde, die Geschichte sei nun abgeschlossen... komplett daneben. Ach, ich könnte noch ewig weiter lamentieren. Aber immerhin habe ich dieses Erlebnis nun hinter mir und mich wieder Serien und Filmen widmen, die ich verstehe.

Gelesen: September 2017

U.

Endlich kann ich wieder einmal von einem gedruckten, selbst gelesenen Buch berichten. Es handelt sich um The Paying Guests von Sarah Waters. Der Roman spielt in London nach dem Ersten Weltkrieg. Frances Wray und ihre Mutter leben in einer standesgemäßen Villa am südlichen Stadtrand - doch durch den Tod des Vaters und dessen voraus gegangene finanzielle Fehlentscheidungen fehlt den beiden das Geld, um ihren standesgemäßen Lebensstandard aufrecht erhalten zu können. Frances verbringt ihre gesamte Zeit damit, das Haus in Ordnung zu halten, so gut das eben ohne Personal geht. Dabei hatte sie sich eigentlich in eine andere junge Frau verliebt und geplant, ihre Familie zugunsten eines neuen Lebens zu verlassen - der Tod des Vaters und der beiden Brüder, die im Krieg gefallen sind, haben sie aber dauerhaft an die Mutter gebunden.

Um die finanziellen Schwierigkeiten etwas zu lindern, nehmen Mutter und Tochter Untermieter auf und vermieten den obersten Stock des Hauses an ein junges Ehepaar der aufstrebenden Arbeiterklasse, die Barbers. Leonard Barber geht Frances von Anfang an auf die Nerven, zu Lilian dagegen knüpft sie eine Freundschaft, aus der bald mehr wird, ohne dass die beiden sich einigen können, ob es für sie eine gemeinsame Zukunft gibt - und dann passiert auch noch ein schrecklicher Unfall.

Von Sarah Waters kannte ich bereits drei weitere Bücher - Fingersmith, The Night Watch und The Little Stranger - und natürlich gefällt mir auch dieser Roman wieder recht gut, denn Waters versteht es, Figuren interessant zu gestalten und die historischen Settings ihrer Romane mit Hilfe von sorgfältiger Recherche so zu gestalten, dass sie realistisch wirken. Dennoch landet The Paying Guests in meinem persönlichen Ranking der bisher gelesenen Romane nur auf Rang 3 (vor The Little Stranger): Allzu lange tritt die Handlung auf der Stelle.

Dennoch ein lesenswertes Buch, und sicher auch nicht das letzte von Sarah Waters, das ich gelesen habe.

Sendeschluss: U2 - You're The Best Thing About Me

U.


Es ist erst etwas mehr als zwei Monate her (auch, wenn es sich viel länger anfühlt), dass ich U2 in Rom live sah. Bei manchen Terminen der Tour wurde auch dieser neue Song präsentiert, bei unserem nicht - was ehrlich gesagt kein musikalischer Verlust war.

Allerdings erinnert mich das nun erschienene Video jetzt nicht nur an ein schönes Konzert und den Sommerurlaub, sondern auch daran, dass ich schon lange nicht mehr in New York war - denn die Band hat für das Video eine Art Stadtrundfahrt unternommen und läuft auch zu Fuß diverse touristisch relevante Punkte in Manhattan ab. Also gleich doppelte Urlaubs-Sehnsucht dank der irischen Band...

Der große römische Eistest kehrt zurück: Hedera und Old Bridge

U.


Hedera

Heute geht es wieder einmal um Eisdielen in Laufnähe zum Vatikan (und unserer Ferienwohnung). Hedera war die allererste, die wir überhaupt aufsuchten, und lag sehr nett in einer Seitenstraße. Das kleine Lokal legt viel Wert auf die Bio-Herkunft seiner Eiszutaten, und es gab auch genaue Informationen dazu, ob und inwieweit Gluten enthalten war, welche Sorten vegan waren und so weiter. Außerdem durfte man alles probieren. Die Sortenauswahl war verglichen mit anderen Eisgeschäften eher klein.


Hedera hat eine gleichnamige "Geheim-Eissorte", bei der nicht verraten wird, woraus sie besteht. Mein Freund entschied sich hierfür und war begeistert, weniger aber vom dazu bestellten Pistazieneis, das er als bitter wahrnahm.


Ich wollte, nachdem er bereits die Geheimsorte bestellt hatte, auch etwas Ungewöhnliches testen, und nahm Crema della Nonna, außerdem noch Schokolade und Pistazie. Crema della Nonna ist offensichtlich eine Zitronencreme, zumindest schmeckte das Eis danach. Ich empfand alle Sorten als lecker, aber auch nicht sensationell. Dennoch ein hübsches Lokal mit einer sehr transparenten Zutatenpolitik.

Adresse: Borgo Pio, 179



Old Bridge


Old Bridge taucht immer wieder in Eisdielen-Bestenlisten auf, und neben der Stammfiliale direkt an der Vatikanmauer gibt es noch zwei weitere Zweigstellen in Rom und, man lese und staune, eine in Stuttgart sowie eine in Seoul (nach Seoul haben es per Franchise erstaunlich viele römische Eisdielen geschafft, Südkora scheint ein eishungriger Markt zu sein).

Anders als andere Eisdielen gewährt Old Bridge jedem Gast drei Sorten Eis, egal, wie groß die bestellte Portion ist. Wir entschieden uns beim ersten Besuch für den 3-Euro-Becher (der so groß war wie anderswo der für 3,50 Euro), beim zweiten verwöhnten wir uns, nachdem wir den Vatikan versehentlich falsch herum umrundet hatten und entsprechend eisgierig waren, mit der 4-Euro-Portion.


Mein Freund wählte beim ersten Besuch Pistazie, Bacio und Banane, beim zweiten wieder Pistazie, Bacio und Karamell. Ich entschied mich beim ersten Besuch für Schokolade, Gusto de Sicilia (eine Eissorte, die unter anderem Pistazienstückchen enthalten sollte) und Mango, beim zweiten für Pistazie, Nutella und Frutti di Bosco (Waldfruchteis).


Wie man schon an der Tatsache erkennen kann, dass wir Old Bridge zweimal besuchten, beeindruckte uns das Eis im positiven Sinne. Meinem Freund gefiel insbesondere das cremige und geschmacksintensive Bananeneis, Pistazie und Bacio fand er ebenfalls super, während das Karamelleis im Vergleich etwas enttäuschte. Ich fand lediglich das "Gusto de Sicilia"-Eis mäßig, aus dem ich nur Orangenschale herausschmeckte. Alle anderen von mir getesteten Sorten waren äußerst lecker. Kein Wunder, dass sich vor dem winzigen Laden vor allem abends häufig lange Schlangen bilden!

Adresse: Viale Bastioni di Michelangelo


Sendeschluss: Radiohead - Lift

U.

Ich arbeite im 26. Stock eines Hochhauses, insofern gehört Liftfahren mit diversen Zu- und Ausstiegen durchaus zu meinem Alltag. Ganz so verrückt wie die von Thom Yorke sind meine Fahrstuhlerlebnisse aber irgendwie nicht!

"List" ist eines dieser Lieder, die Radohead 1987 für ihr Album "OK Computer" aufnahmen, aber erst jetzt, anlässlich des Re-Releases, veröffentlicht haben. Wer besser als ich aufpasst, entdeckt auch Figuren aus den Videos zu "Karma Police" und "Paranoid Android".

Eisblog: Eispulver von Dr. Oetker

U.

Neulich sprang uns im Supermarkt ein Produkt namens "Eispulver" von Dr. Oetker ins Auge. Die Eismaschine steht nun bereits seit Ewigkeiten still, was viel damit zu tun hat, dass man ihr Kühlaggregat vorkühlen muss und unser Tiefkühlschrank immer so voll ist. Mit dem Eispulver soll man aber auch ohne Eismaschine Eis herstellen können. Ob das funktioniert? Neugierig kauften wir zwei der drei Sorten, Bourbon-Vanille und Schokolade - die dritte ist Stracciatella.


Die Tüten enthalten verschiedene Arten Zucker, Milchpulver, Öl und diverse Verdickungsmittel sowie Geschmacksstoffe wie Kakaopulver und Vanillearoma. Zur Zubereitung mischt man das Pulver mit einem Viertelliter Milch und schlägt die Masse auf. Der Käufer soll im Idealfall aber nicht einfach Vanille- oder Schokoladeneis mixen, sondern wird ermutigt, die Mischung zu verfeinern, etwa mit zerkleinerten Früchten, Keksen, Brownies, Marmelade, Erdnusskernen...

Wir mischten unseren Vanille-Mix mit aufgetauten und gezuckerten Tiefkühl-Himbeeren, in den Schokoladenmix kamen geviertelte Toffifee - beide Ideen entnahmen wir der Vorschlägen auf den Tüten.


Die fertige Creme muss dann mindestens vier Stunden eingefroren werden, zehn Minuten vor dem Servieren soll man sie wieder herausnehmen. Als wir nach sechs Stunden das erste Mal probierten, zeigte sich aber, dass beide "Eissorten" noch ziemlich matschig waren. Mit Eis hatte das Geschmackserlebnis eher wenig zu tun. Wir probierten trotzdem, waren vom Ergebnis wenig begeistert und hofften, dass der mäßige Geschmack am Aggregatzustand lag.


Einige Tage später machten wir dann den zweiten Test: Mittlerweile waren beide Eissorten zu Blöcken gefroren, das Vanille-Himbeer-Eis hatte auch, sicherlich wegen des Wassergehalts der Beeren, größere Kristalle gebildet.

Von der Konsistenz her war das Schokoladeneis angenehmer, schmeckte aber... genau wie ein gefrorener Fertig-Schokoladenpudding: Dany + Sahne minus Sahne. Die Toffifee verbesserten das Geschmackserlebnis erheblich und passten auch gut dazu - aber sie waren alle auf den Boden der Form gesunken und deshalb nicht gut verteilt - das passiert einem mit einer Eismaschine nicht. Das Vanille-Himbeer-Eis war geschmacklich besser gelungen, machte aber wegen der Kristallbildung keine große Freude.


Positiv kann man zumindest sagen, dass wir mit den beiden Beuteln und wenigen weiteren Zutaten eine Unmenge Eis produziert haben. Wiederholen werden wir diesen Versuch dennoch sicherlich nicht. Kürzlich kam allerdings ein anderer Eis-Mix in den Handel, der Käufern verspricht, "unerwartet großartiges Eis" machen zu können. Sollten wir den einmal im Supermarkt sehen, wird er sicher auch getestet.



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